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Schnurdehnung - der beste Freund des AnglersAngelschnüre bestehen aus den chemischen Fasern Nylon, Perlon oder Polyethylen. Wir fischen also mit den Strumpfhosen und Kittelschürzen unserer Omas oder mit Aldi-Tüten. Im Folgenden sollen die Fragen beantwortet werden: Welcher Schnurtyp ist die optimale Angelleine? Was passiert, wenn man Angelschnüre belastet? Heute sind Angelschnüre in zwei Bauformen gebräuchlich. Zum einen als monofile Schnur aus Polyamid (Nylon oder Perlon) und zum anderen als Geflecht aus sehr dünnen Polyethylenfasern. Diese Schnüre nennt man Multifilament. Die zwei Kandidaten unterscheiden sich bei gleichem Durchmesser erheblich in ihrer Tragkraft und generell in ihrem Dehnungspotential. Im Folgenden betrachten wir das Spannungs-Dehnungsverhalten der beiden Schnurtypen anhand von beispielhaften Diagrammen. Um vergleichen zu können, gehe ich von ähnlicher Tragkraft der Schnüre aus. Diese spielt hier sowieso nur eine untergeordnete Rolle, da ich voraussetze, dass beim Fischen immer eine Schnur ausreichender Tragkraft zum Einsatz kommt. Dehnungsverhalten von polymeren Angelschnüren
Die Dehnung besteht zuerst aus einem rein elastischen Anteil, der sich bei Entlastung der Schnur zurückbildet. Belastet man die Schnur zu stark, kommt es zu plastischer Dehnung, die auch nach Entlastung in der Schnur verbleibt. Der so eingebüßte Teil der Dehnungsfähigkeit steht beim nächsten Drill nicht mehr zur Verfügung. Ungefähr so wie im folgenden Diagramm könnte eine Belastungskurve dieses Schnurtyps aussehen.
Geflochtene Angelschnur hat keine relevante Dehnung. Sowohl der elastische wie auch der plastische Dehnungsanteil fällt klein aus. Dieser Schnurtyp hat in etwa eine Belastungskurve wie im folgenden Diagramm.
Wenn man die Flächen der optimalen Dehnungsbereiche betrachtet, lässt sich direkt die durch die Dehnung verbrauchte Energiemenge ablesen. Man erkennt unschwer, wie viel höher der Energieverbrauch der monofilen Schnur ist.
Monofile Schnur dehnt sich unter Belastung weit mehr als Multifilament. Dabei nimmt sie einen Teil der Energie auf, die uns der Fisch im Drill entgegenbringt. Es ist also nicht nur der Angler, der mit seiner Muskelkraft den Fisch ermüdet. Es ist auch nicht nur die Rute, die die Energie absorbiert. Auch die Schnurdehnung hat einen erheblichen Anteil am Energieverbrauch unseres Gegners. ErkenntnisseEin Teil der Energie des Fisches wird also durch monofile Schnur absorbiert. Der Karpfen muss im Vergleich zu geflochtener Schnur mehr Energie aufbringen, um die gleiche Spannung an der Rute zu bewirken. Geflochtene Schnur dehnt sich kaum, überträgt also die Kraft direkt auf die Rute und den Angler. Das bedeutet, dass sich Monofilamente mit hoher Dehnungsfähigkeit besser zum Drillen starker Fische eignen als Multifilamente ohne nennenswerte Dehnung. Wenn ein Fisch an multifiler Schnur gedrillt wird, wird selbstverständlich auch die erforderliche Energiemenge, die der Fisch zur Gegenwehr aufbringt, verbraucht. Und zwar durch die Reibung im Wasser, direkt in der Rute, in der Rollenbremse und durch den Arm des Anglers. Das ist nicht pfiffig. Einerseits wird ein Teil des Drillgeschirrs, nämlich die Schnur, nicht am Energieabbau beteiligt. Und andererseits soll der Drill so fischschonend wie möglich sein. Eine "weiche", also dehnungsfähige Schnur, federt Spannungsspitzen ab. Ein Multifilament tut dies nicht. Wenn wir im Drill an der Ruten ziehen (pumpen) dehnen wir hauptsächlich die (monofile) Schnur. Beim Fisch kommt nur ein Teil unserer Bemühung an. Die Rute hilft uns dabei nicht viel weiter. Meine Karpfenrute benötigt nur drei Pfund Zugkraft, um ihre Testkurve auszuschöpfen und ungefähr neun Pfund Zugkraft, um maximal durchgebogen zu werden - dann löst die Rollenbremse aus. Belasten würden wir unsere Ruten bis maximal zwölf Pfund. Das haben Henrik und ich gemessen. Es sind also nur diese lächerlichen drei bis neun Pfund, welche die Rute als Gegendruck zum tobenden Fisch zu bieten hat. Ihre Aufgabe liegt mehr darin, als schnell federnder Puffer das gesamte Drillgeschirr unter Spannung zu halten, wenn ruckartige Bewegungen stattfinden. Zum Beispiel wenn die Schnur Pflanzenkontakt hat oder wenn der Angler ins Boot klettert. Außerdem dient die Rute natürlich als Wurfmaschine. Wir erkennen also, dass ein Forcieren des Drills durch kräftiges Pumpen an der Rute weniger Sinn hat, als man vermuten würde, weil die Dehnung die durch den Angler aufgebrachte Energie weitgehend verbraucht. Schnur sollte erst dann mit der Rolle aufgenommen werden, wenn der Druck durch die Fluchten des Fisches nachlässt. Aus den Diagrammen ergibt sich aber auch, dass man Monofilamente nicht bis in den plastischen Dehnungsbereich hinein strecken sollte. Denn dann ist die polymere Struktur irreversibel beschädigt und die Leistungsfähigkeit der Schnur ist beeinträchtigt. Es gilt also, Rute, Bremseinstellung und Schnur optimal aufeinander abzustimmen, um Überdehnung der Schnur beim Drill zu vermeiden und zu stark beanspruchte Schnur rechtzeitig zu ersetzen. Zur Ehrenrettung der Geflechte soll nicht vergessen werden, dass sehr große Entfernungen oder Umlenkungen die höhere Tragkraft und die erheblich bessere Bisserkennung der Multifilamente notwendig machen können. Auch der wesentlich geringere Strömungsdruck von Fließgewässern auf die dünnere Geflochtene ist ein angenehmer Vorteil. René (Januar 2010)
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Karpfen im Netz? Carpermania - Karpfenangeln für Besessene! Seit 2001 habt ihr die Verrückten am Hals. |
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