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Der Teich - dem Karpfen aufs Maul geschautMan liest immer wieder, dass man Vertrauen in seine Köder haben sollte. Das bedeutet freilich nicht, dass Vertrauen einen Fisch fängt. Aber um lange Zeit wirklich motiviert und konzentriert am Gewässer zu experimentieren, braucht es unerschütterliches Vertrauen zum eigenen Tun. Das war bei meinen Ködern bisher immer gegeben. Als ich allerdings am Anfang der Saison 2002 einen jungfräulichen See befischte, kamen mir doch erhebliche Zweifel. Das ExperimentNeben dem eigentlichen Hauptgewässer befanden sich zwei private Teiche. Besetzt waren sie mit Karpfen, Kois, Graskarpfen, und auch ein Schwarm Plötzen zog durchs Wasser. Ich beschloss, an diesen Tümpeln mit meinen Ködern zu experimentieren. Ich wusste, dass die Fische in den Teichen hauptsächlich mit Pellets und gelegentlich mit Brot gefüttert werden, so dass mich ihre Reaktion auf meine Boilies besonders interessierte. Wenn man an das Ufer herantritt, dann kommen die Fische an die Oberfläche und verfolgen den Ufergänger in Erwartung einer milden Gabe. Wirft man sinkendes Futter ein, dann wird es von den Tieren vorerst ignoriert, da sie nur mit langsam sinkendem Teichfutter gefüttert werden. Ich dachte mir, dass meine Boilies erst verschmäht und nach einiger Zeit gefunden, probiert und akzeptiert werden - aber da irrte ich mich gewaltig. Als die Karpfen merkten, dass sie kein Futter von mir zu erwarten hatten, widmeten sie sich ihrem Tagesgeschäft und zogen langsame Kreise. Dabei passierten sie auch mein Boiliefeld. Ohne zu zögern probierten sie. Als ich mich schon diebisch freute, musste ich feststellen, dass alle Fische die Boilies zwar aufnahmen, aber nach einer etwa fünf Sekunden andauernden Prüfung wieder ausspuckten. Dann versuchten sie es mit der nächsten Kugel, dann der nächsten und so fort. Gefressen haben sie nicht einen Boilie. Nach fünfzehn Minuten verloren sie gar komplett das Interesse an den Ködern und ignorierten sie völlig. Ich war am Boden zerstört. Offenbar waren die Fische gewillt, etwas Neues sofort anzunehmen, aber entscheiden sich nach der Prüfung gegen meine Murmeln - unfassbar. Ich beschloss zu warten, ob sie es sich später vielleicht anders überlegen würden. Nach zwei Stunden sah ich dann noch mal nach meinen Freunden. Mein Futter lag immer noch leuchtend bunt herum und schien mich anzugrinsen. Hatten sie keinen Hunger? Ich warf ein Brötchen ins Wasser. Die daraufhin einsetzende Schlägerei belehrte mich eines Besseren. Gierig und futterneidisch brachten diese ignoranten Monster das Wasser zum Kochen. Am nächsten Tag versuchte ich es mit einem Spezialköder. Bernds neue Geheimwaffe besteht aus einem Pellet von Nutrabaits, der als Hakenköder konzipiert ist. Diesen wertet er mit einem Köder-Puder auf, damit eine schleimige Gelee-Masse unter Wasser eine giftgrüne Geschmackswolke bildet, die jeden Fisch im Umkreis willenlos macht. Soweit die Theorie. Ich bereitete zwei der Pellets mit dem Pulver vor und ließ zwei Stücke im Lieferzustand. Die Karpfen lenkte ich mit einem Stück Brot an einem Ufer ab und platzierte dann meine Wundermittel an der anderen Seite des Teiches. Nach einiger Zeit zog eine größere Gruppe in meine Futterecke. Einer der Fische bemerkte die Köder und stoppte, um sich diese genauer anzusehen. Er sog einen sofort ein und spuckte ihn auch nicht wieder aus. Aus den Kiemen schoss eine Wolke grünen Schleims. Den genau dahinter platzierten zweiten Pellet mit Dip und die unbehandelten Kugeln verachtete er zu meinem Erstaunen und zog mit würdevoller Miene davon. Was für ein Reinfall! Nur zehn Zentimeter neben dem ersten Köder lag der zweite Leckerbissen und wurde nicht beachtet. Neuer Tag, neues Glück! Am dritten Tag waren Tigernüsse dran. Diese wollte ich wie die Boilies üppig als Teppich anbieten. Das Ergebnis war ähnlich dem Murmelversuch. Zwar fraßen sie die Nüsse ohne lange zu zögern, aber sie suchten nicht danach und nahmen eher mal "im Vorbeigehen" eine mit. Große Begeisterung brach nicht aus. Ich war sehr unzufrieden. Sollte es wirklich keinen Köder geben, den die Fische fanatisch fressen wollten? Mein letzter Versuch sollte mit Dosenmais stattfinden. Und überraschend - gleich nach dem Auffinden der Futterstelle setzte ein wahrer Fressrausch ein. Die gesamte Teichbelegschaft stand Kopf und wühlte im Schlamm. Ohne Pause wurde der Platz leergefegt. Selbst nachdem die gelben Körner gefressen waren, wurden die Karpfen nicht müde, den Bodengrund zu durchforsten und jeden Stein umzudrehen. Der Unterschied zu den anderen von mir gefütterten Ködern war nicht zu übersehen. SchlussbetrachtungWeder Boilies noch Tigernüsse, ja nicht mal die dem Teichfutter sehr ähnlichen Pellets wurden so aufgenommen, wie man sich das als Karpfenangler am Ufer sitzend vorstellt. Ich dachte an die erfolglosen Ansitze im letzten Jahr und malte mir aus, wie oft wohl der Zielfisch über unsere Stellen geschwommen war, aber das angebotene Menü nicht seinem Geschmack entsprach. Abgesehen davon, dass ein Teich nicht so einfach mit einem Natursee zu vergleichen ist, gibt mir diese Geschichte sehr zu denken. Damit sich jeder selbst ein Bild machen kann, bieten wir zwei kurze Videoaufnahmen zum Download an. Darauf ist ganz gut zu erkennen, wie unterschiedlich die Reaktion auf die Boilies und den Mais war. Henrik (Juni 2002)
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Karpfen im Netz? Carpermania - Karpfenangeln für Besessene! Seit 2001 habt ihr die Verrückten am Hals. |
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