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Drill - vom Anschlag bis zur LandungWas ist so weltbewegend am Drill eines Karpfens? Nun, während unseres Frankreichurlaubs im Jahr 2002 saß ein Trio aus England ein wenig entfernt von unserem Camp. Sie fingen einen gewaltigen Fisch von 56 Pfund. Dieser herrliche Erfolg wurde natürlich überall am See ausgewertet. Dadurch erfuhren wir auch, dass diese Truppe 80 Prozent ihrer Fische im Drill verlor. Über diese wirklich schlechte Bilanz haben Bernd und ich dann noch lange diskutiert. Ich möchte unsere Überlegungen mit diesem Artikel dokumentieren. AnschlagWenn der Karpfen den Köder aufgenommen hat, hakt er sich bei den meisten Montagen selbst gegen ein Bleigewicht. Ab diesem Zeitpunkt bewegt der schwimmende Fisch die Montage und wir bemerken das durch unsere Bissanzeiger. Obwohl der Karpfen gegenüber Raubfischen ein weicheres Maul hat, ist es immer noch so hart, dass der Haken mit großer Wahrscheinlichkeit das Maul nicht vollständig durchdrungen hat. Lediglich die Hakenspitze sitzt im Fleisch. Hat sich der Fisch nach dem Anbiss seitlich vom Blei wegbewegt und der Haken dadurch im Maulwinkel gefasst, dann trifft die Spitze auf noch härtere Knorpel als in der Unterlippe. Der unvollständige Hakensitz bedingt die Notwendigkeit, mit einem kräftigen Anschlag den Haken bis zum Bogen einzutreiben. Ich denke, dass bei vielen Karpfenanglern die Wichtigkeit des Anschlages sträflich unterschätzt wird. Ebenso falsch ist es, anzunehmen, dass ein lockerer Rückschwung der Rute oder gar allein das Straffen der Hauptschnur ausreichen würde, den Hakensitz zu korrigieren. Bei den großen Entfernungen, die wir heute durch Boote und Weitwurfruten überwinden können, lohnt es sich, das Thema genau zu untersuchen. Monofile Schnüre können sich bei großer Entfernung des Futterplatzes vom Rutenstellplatz enorm dehnen. Beim Anschlag muss diese Verlängerung der Hauptschnur unter Druck mit einkalkuliert werden. Als weiterer wichtiger Faktor, der oft vernachlässigt wird, ist der Schnurbogen zu nennen. Ein beträchtlicher Teil der beim Anschlag verwendeten Kraft wirkt nicht auf den Haken, sondern bewegt den Schnurbogen gegen das Wasser. Die erforderliche Straffung der Hauptschnur beim Anschlag ist meines Erachtens nach nur zu erreichen, wenn man nach der Aufnahme der Rute einige Schritte rückwärts läuft und dann energisch einen deutlichen Rückschwung ausführt. Die Bewegung endet bei einem Winkel von 90 Grad zur Hauptschnur. Mit geflochtener Schnur ist der Anschlag deutlich sanfter. Da in diesem Fall keine Dehnung vorhanden ist, besteht auf kurze Entfernungen sogar die Gefahr, dass der Haken schon beim Anschlag ausgeschlitzt wird. Trotzdem kann nicht auf einen gut dosierten Ruck verzichtet werden. Winkel der HauptschnurDurch die Biegung und Elastizität der Rute wird die Hauptschnur im Drill straff gehalten. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Schnur bis zur Landung des Fisches nicht locker gelassen wird. Dadurch würde das Blei an der Montage absinken und den Haken in eine Position bringen, die das Ausschlitzen begünstigt. Auch wenn das Blei den Haken nicht komplett aushebelt, ist es möglich, dass nach erneuter Straffung der Hauptschnur der Druck allein auf die Hakenspitze wirkt. Diese Situation muss vermieden werden. Schläge des Karpfens mit dem Kopf sowie Richtungswechsel gleicht der schnell nachfedernde Rutenblank aus. Die Funktion der Rute ist nur optimal, wenn das Griffteil in einem Winkel von 90 Grad zur Hauptschnur gehalten wird. Der Winkel der Rute zum Boden verändert sich natürlich während des Drills, da sich die Entfernung des Fisches zum Angler ändert. Wird vom Boot aus gedrillt, kann der Winkel der Rute zur Wasseroberfläche bis auf null Grad abnehmen. Das ist dann der Fall, wenn der Fisch genau unter der Rutenspitze steht. Diese theoretischen Betrachtungen ermahnen uns, den Winkel der Rute zur Schnur während des gesamten Drills im Auge zu behalten und zu korrigieren. Führung des FischesWenn der gehakte Karpfen in Richtung eines Hindernisses schwimmt, bricht dem Angler der Schweiß aus. In dieser Situation versuchen viele Fischjäger, die Fluchtrichtung durch seitliche Rutenführung zu beeinflussen. Diese Reaktion ist vollkommen sinnlos. Wenn wir annehmen, dass der Aktionsradius der Rute bestenfalls vier Meter beträgt und die Entfernung zum Fisch 100 Meter, dann ergibt sich durch das Umlegen der Rute zur Seite eine Änderung der Zugrichtung am Fischmaul von nur zwei Grad. Das ist natürlich viel zu wenig, um den kampfstarken Karpfen von seinem Weg abzubringen. Selbst bei 20 Metern Entfernung sind es nur elf Grad. Da dieses Herumfuchteln mit der Rute die Gefahr des Kontaktes mit Bäumen und Sträuchern birgt, verzichtet der kluge Angler darauf und konzentriert sich lieber auf die Schnuraufnahme. Ein mögliches Mittel, um den Fisch zur Richtungsänderung zu bewegen, ist, die Hauptschnur kurz erschlaffen zu lassen. Oftmals wechselt der Karpfen dann abrupt die Fluchtrichtung. Dieses Vorgehen beinhaltet jedoch Nachteile für den Hakensitz, welche weiter oben schon beschrieben wurden. SchnuraufnahmeDie Art und Weise der Schnuraufnahme differiert unter den Karpfenanglern erheblich und wird immer wieder diskutiert. Dabei sollte man sich der zwei Ziele während dieser Drillphase bewusst sein. Es gilt: Je kürzer der Drill, desto geringer die Wahrscheinlichkeit eines Fischverlustes. Und: Gegen einen schnellen und harten Drill spricht, dass die Gefahr des Ausschlitzens steigt. Zusammengefasst könnte man sagen:
Bedingt durch diese Erkenntnis, stellt sich der Drill als ein Vorgang von Geben und Nehmen dar. Wenn der Karpfen zu einer Flucht ansetzt, muss die Schnuraufnahme unterbrochen werden. Bei starken Fluchten kann aus Sicherheitsgründen die Bremse ein wenig gelockert werden. Wenn sich der Fisch ruhig verhält, dann sollte so schnell als möglich Schnur aufgenommen werden. Verringert sich der Abstand des Karpfens zur Rute unter zehn Meter, ist eine leichtere Bremseinstellung von Vorteil, da die Schnurdehnung nicht mehr genutzt werden kann. Am KescherWenn man allein angelt, sollte man den Kescher für die zu erwartende Drillsituation günstig positionieren. Es bewährt sich, den Griff des Kescherstabes auf einem Erdspeer abzulegen. Somit muss man sich mit dem tobenden Fisch an der Rute nicht bücken. Pfiffige Zeitgenossen ziehen das Keschernetz durch den Kescherkopf und halten damit bis kurz vor dem Kontakt des Netzes mit dem Fisch dieses trocken. Sollte ein Kamerad beim Keschern assistieren können, so ist dieser Vorteil unbedingt zu nutzen! Ein zweiter Mann ist auch bei größeren Karpfen gelassener als der Angler selbst und verdirbt den Drill nicht durch hastiges Hantieren während der Landung. Wenn sich der Fisch auf der Seite liegend an der Oberfläche zeigt, ist der richtige Zeitpunkt für einen Landungsversuch gekommen. Anders als in der meisten Literatur beschrieben bin ich der Meinung, dass auch der Kescher zum Fisch geführt werden kann. Um eine Erschöpfungsphase des Fisches optimal zu nutzen, läßt sich der Kescher problemlos auf den Fisch zubewegen. Solange das ohne Hektik geschieht, entsteht daraus kein Nachteil. Abschließend sei darauf hingewiesen, dass die Hakenlösung, soweit möglich, noch im Kescher geschieht. Das ist die fischschonenste Methode, da der Karpfen noch im Wasser schwimmend keinen großflächigen Kontakt zur Abhakmatte hat. Bewährt hat sich dabei die Methode, dem Fisch einen Daumen ins Maul zu legen und dann damit den Unterkiefer gegen den gekrümmten Zeigefinger zu drücken. Mit der freien Hand kann so der Haken gelöst werden, da die Tiere, erschöpft vom Drill, in der Regel ruhig in dieser Lage verharren. Henrik (Mai 2003)
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Karpfen im Netz? Carpermania - Karpfenangeln für Besessene! Seit 2001 habt ihr die Verrückten am Hals. |
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