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Der herrliche Herrentag


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Mittwoch Vormittag beim Käffchen haben wir noch die letzen Details geklärt, um 16.00 Uhr waren wir dann endlich unterwegs. Mein Freund Henrik und ich wollten zum Herrentagsansitz einen Kanal befischen. Und unser Thomas und seine Tochter wollten uns ab Donnerstag verstärken. Zuversichtlich waren wir gestartet. Bald aber stellten wir fest, dass Recherchen mit Google Maps oft unzureichend sind. Wir konnten nicht an den geplanten Kanalabschnitt gelangen. Weidezäune, Durchfahrtsverbote und weiteres Ungemach mehr versperrten uns den Weg.

Leider war am Hauptkanal nichts zu machen, also ging’s weiter. Ein Zweigkanal, prinzipiell das gleiche Gewässer nur wenige Kilometer weiter, war das nächste Ziel. Die erreichbaren Stellen waren allerdings ungeeignet für einen Ansitz über vier Nächte. Für drei Leute und ein kleines Mädchen muss die Logistik schon stimmen. Also begannen wir, nach Alternativen zu suchen. Die einzige Möglichkeit in der knappen Zeit sahen wir in einer Gruppe von Abbaustichen einige Kilometer entfernt. Vor Ort mussten wir feststellen, dass wirklich alle bekannten Tongruben bis auf den letzten Platz bereits besetzt waren - Enttäuschung auf der ganzen Linie!

Platz da!

Aufgeben kam jedoch nicht in Frage, also fuhren wir weitere Gewässer an. Nach etlichen Kilometern durch unwegsames Gelände und gefühlten hundert Stunden Fahrt, fanden wir endlich einen Platz an einem uns noch unbekannten Tonstich. Wählerisch konnten wir zu dieser Stunde nicht mehr sein. Da es schon nach neun Uhr war, bauten wir schnell auf und warfen unsere Montagen blind in den Teich. Dann gab es noch was zu essen und ein oder zwei Becherchen gegen den Frust. Danach ging es ab in die Kojen.

In der ganzen ersten Nacht wurden wir durch keinen Schuppenträger gestört. Die wenigen Pieper hatten wohl Krebse verursacht. Jedenfalls stellten wir am nächsten Morgen fest, dass die Köder auf geometrisch korrekte Würfel mit exakt fünf Millimeter Kantenlänge zurecht geschnitten waren. An zwei Ruten war das Haar sogar leer, nur die Stopper waren noch dran.

Nach einem ausgiebigen Frühstück und dem ersten Frischbier erkundeten wir die kleine vor uns liegende Bucht. Ergebnis: viel Struktur mit Krautfeldern, freistehenden Wasserpflanzen, Kanten, Gräben und Schilf zwischen zwei und acht Metern. Perfekt! Mit neuem Mut gerüstet ging es in die zweite Runde. Am Nachmittag kam Thomas hinzu. Nun konnte es richtig losgehen. Nachdem alle Ruten ausgelegt waren, widmeten wir uns dem Hauptinteresse seiner Tochter - Fische für die Hühner fangen. Dabei stellten wir schnell fest, dass die Kleine nicht unbegabt ist und wir noch von ihr lernen können. Schon nach drei Minuten hatte sie den ersten Weißfisch im Eimer. Ihre Stippbilanz fiel jedenfalls wesentlich besser aus als unsere auf Karpfen. So ging es von Donnerstag bis Samstag weiter, dann musste Thomas leider wieder abreisen.

Den letzten Abend verbrachten wir also wieder zu zweit. Inhalt desselben ergab sich aus der Erfolglosigkeit der vergangenen Tage: Saufen bis zur unkontrollierten Körperöffnungsfunktion. Schließlich war ja Herrentagswochenende! Wir schlossen innerlich mit dem Ansitz ab und überlegten, warum wir keinen Erfolg hatten. Gab es einen Grund, warum wir die einzigen Karpfenangler an diesem Teich waren? Ein Spaziergänger bemerkte auf die Frage, ob denn dies ein Karpfengewässer sei: "Öh, naja, der Stich da drüben hinter der Straße ist super auf Karpfen!".

Überraschenderweise wurden wir am Sonntag nicht von der Sonne oder Kopfschmerzen sondern von einem Bissanzeiger geweckt. Dieser kündigte morgens um halb fünf den Landgang eines schönen Brassens an. Wie immer saß der Haken besser als bei jedem Karpfen. Der Stinker wollte sich einfach nicht davon trennen. Schließlich musste er sich aber doch Henriks Chirurgenhänden beugen und wanderte zurück ins Wasser. Nach weiteren zwei Stunden Schlaf vernahmen wir dann einen Dauerton...

Es knallt doch noch

Ungläubig schaute ich auf den Empfänger und begriff, dass es sich tatsächlich um einen echten Karpfenbiss handelte. Also ging es schnell ab an die Rute, ein leichter Anhieb wurde gesetzt und gleich darauf zog der Fisch gegen die Bremse los. Kräftige Schläge in der Gerte waren die Vorboten dessen was kam. Es gelang uns, den Fisch davon zu überzeugen, nicht ins Schilf zu schwimmen und auch nicht um die Ecke in eine kleine Bucht. Er kämpfte ausdauernd 15 bis 20 Meter vom Ufer entfernt. Glücklicherweise war der Unterwasserbewuchs licht und der Fisch verhedderte sich nicht darin. Nach weiteren kurzen Fluchten vor unseren Füßen ergab er sich seinem Schicksal. Der erste Anblick war vielversprechend: "30 wird er wohl haben.". Die Waage brachte dann das Unerwartete. Der ungläubige Blick von Henrik machte mich nervös und die Spannung stieg. "Is’ doch nich’ wahr, 42 hatta." sagte er! Das war der Knaller! Der Schuppenkarpfen war schön dunkel, wie ein Torpedo geformt und 96 Zentimeter lang. Die Überraschung war wirklich perfekt. Die lange Ansitzzeit an unbekannten Tiefen hatte sich doch noch ausgezahlt.

Wie im Rausch wurde nach dem Fotografieren zusammengepackt und der Heimweg angetreten. Richtig bewusst wurde mir mein Glück erst Tage später. Schließlich handelt es sich um meinen bisher größten Schuppenkarpfen. Was für ein herrlicher Herrentag!

René (Juli 2011)


 
 

Der herrliche Herrentag

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Schuppenkarpfen mit 42 Pfund

 

 
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