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Der perfekte Angelplatz


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Über das perfekte Gewässer könnte man lange erzählen, und man wird es wohl nie finden. Als wir einmal eine Woche an unserem Hauspool verbrachten, sahen wir am anderen Ufer uns unbekannte Leute ebenfalls beim Karpfenfischen. Diese überaus netten Kameraden aus Hanau kamen auf ein Schwätzchen und ein Bier zu uns rüber und dabei ist mir wieder bewusst geworden, wie gut wir es an unserem Wasser haben. Sie waren sehr begeistert von unserem Pool und hatten an diesem wirklich schweren Gewässer auch gleich gute Erfolge. Erstaunlich für mich, dass die Jungs 600 Kilometer durch die Landschaft gondeln, um bei uns eine Woche zu verbringen. Ihre Erzählungen von den Verhältnissen in ihrem Heimatkreis erhellten dann die Intention.

Was braucht denn nun das Traumgewässer? Vor allen anderen Dingen erst mal gute Fische. Dabei finden wir uns mit einer geringen Population ab, aber wollen die Chance auf einen richtig Großen.

Dann natürlich eine bezaubernde Natur. Dauerhaft halten wir es an keinem See aus, wo die Autos quasi durchs Zelt fahren, der ICE am Camp hält, Badegäste den Hund durch die Schnüre spazieren führen und das Summen der Hochspannungsleitung nur deshalb nicht zu hören ist, weil der Lärm der Einflugschneise alles übertönt. Was wirkliche Stille ist, weiß man erst, wenn man die tatsächliche Abwesenheit von Geräuschen erfahren hat. Und das ist gar keine blöde Phrase, ich habe das schon einige Male erfahren.

Damit kommen wir direkt zum ersten harten Knackpunkt bei der Gewässerwahl. An den schönsten Seen gibt es kaum taugliche Stellen. Das liegt größtenteils daran, dass durch falsch verstandenes Umweltbewusstsein die wenigen Zugänge zum Wasser nicht gepflegt werden.

Angesichts der Berge von Ausrüstung muss der perfekte Platz leider mit dem Auto erreichbar sein. Weit abgelegene Camps nehmen wir nur in Angriff, wenn es sich um einen längeren Ansitz handelt. Der Platz selbst ist möglichst eben, groß, umgeben von Strauchwerk im Rücken, mit flachem Ufer und weit ab von Wanderwegen. Schwer so etwas zu finden - das ist klar. Komfortabel wird es, wenn der Pool so sauberes Wasser hat, dass man das Trinkwasser nicht zur Körperpflege verschwenden muss. Die Sonne sollte erst am Nachmittag den Platz bescheinen, dann lässt es sich komfortabel ausschlafen.

Da alle Karpfenangler gegen einige der meist überaus schwachsinnigen Vorschriften verstoßen, darf im perfekten Camp kein Gesetzeshüter oder einer seiner Handlanger auftauchen. Eine dünn besiedelte Gegend funktioniert in dieser Hinsicht besser. Außerdem gilt: Je weniger Kochtopfangler, desto weniger Müll. Ich meine den Müll, der mit prophetischer Gabe von der Klappstuhlgemeinde den Karpfenanglern zugeschrieben wird. Sicher mag es auch Idioten bei den Karpfenjägern geben - aber sie haben sich bisher dreist vor uns versteckt. Wir finden bei der Müllbeseitigung durchweg nur Wurmbehälter, Knicklichttüten und Maisdöschen.

Der Gewässergrund sollte abwechslungsreich sein. Badewannen machen keinen Spaß. Und was noch? Niemand soll den Pool kennen!

Da alles Gute nie beisammen ist und ich auch noch lange nicht alle Kriterien aufgezählt habe, werden wir wohl ewig weitersuchen müssen. Und ich denke, alle anderen Karpfenheinis tun das auch.

Henrik (Oktober 2001)


 
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