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Drei Küstennebel in Brandenburg


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Als ich an der Ampel stand, betrachtete ich den Wagen vor mir und dachte: "Na, Hauptsache der Penner hat genug Krempel für seine Bootstour dabei". Das Auto meines Vordermannes zog einen Bootsanhänger. Darauf war ein Kunststoffkahn befestigt, in dem sich Berge von Zeug türmten. Und dieses gehörte, wie sich dann herausstellte, unserem Besuch, dem Hunting Carp Team aus Rostock.

Wir kannten die Nordlichter bis dahin nur aus dem Internet. Und es ist immer eine eigenartige Situation, sich mit Fremden zu treffen. Man setzt sich ja nicht gern mit Typen an den Teich, die sich bis zum Erbrechen besaufen, pausenlos Witze erzählen oder in anderer Art und Weise keine Manieren haben. Nur kann man das bei E-Mail-Bekanntschaften vorher nicht ganz genau wissen. Doch schon wenige Worte mit Marco, Mike und Klaus genügten, um zu erkennen, dass es sich um wirklich prima Typen handelt.

Trotzdem wir uns mitten in der Pampa verabredet hatten, trafen beide Teams zeitgleich am Treffpunkt ein. Deshalb fuhren wir nach dem Schütteln verschwitzter Hände gleich weiter zum Wasser. In mehreren Sitzungen hatten Bernd und ich in den Wochen davor eine ausreichend große Stelle für fünf Angler gesucht. Unsere Wahl fiel auf ein sehr bekanntes Gewässer nördlich von Berlin, denn dort wurden schon wahre Giganten an die Luft gesetzt.

Da wir ungestört ansitzen wollten, kürten wir eine Stelle auf einem schwer zu erreichenden Damm, der das Gewässer in zwei Seen teilt. Um dorthin zu gelangen, muss man allerdings mit Booten übersetzen. Das ist unbequem, aber für vier Tage Angelei lohnt sich der Aufwand.

Ich schätze, alle zusammen hatten um die 700 Kilogramm Gepäck dabei. Deshalb ruderten wir uns dann auch erstmal die Arme lahm und bewegten mit vier Booten die ganze Ausrüstung zu unserem Biwak. Dieses bauten wir so auf, dass jede Gruppe einen der beiden Gewässerteile befischen konnte. Wir saßen quasi Rücken an Rücken und angelten auf beiden Seiten des Dammes. Auf allen Angelplätzen konnten die Boote zwischen den Rutenbänken liegen. Die Bedingungen waren ausgezeichnet und alle Protagonisten waren bester Laune. Als am Abend der Wind erstarb und eine schwachbrüstige Kerzenlampe die Gesichter der Spezialisten erleuchtete, wurden noch ein paar Tassen getrunken und Gelächter war im Schilf zu hören.

Am nächsten Morgen lagen die Seen da wie hingemalt. Erste gelbe Blätter trieben als Farbtupfer auf der spiegelglatten Oberfläche. Der nahe Herbst war noch nicht spürbar, denn das warme Sonnenwetter verleugnete die Jahreszeit. Und so ließen wir es uns gut gehen und lümmelten während eines ausgiebigen Frühstücks in unseren Stühlen herum. Das gute Wetter hielt bis zum letzten Tag unseres Ansitzes an. Dabei wechselte der Wind jeden Tag seine Richtung und es waren auch mal ein paar Wolken am Himmel.

Täglich arbeitete jede Gruppe mehrere Stunden mit dem Echolot auf dem Wasser und suchte neue Futterplätze. Neben Plateaus und Gräben konnten wir Schilfkanten und Krautfelder beangeln. Einige Male wurden Ruten verlegt, um jede Möglichkeit auszunutzen. Es roch so sehr nach Fisch, dass wir nicht überrascht gewesen wären, wenn die Karpfen plötzlich von selbst den Kescher geentert hätten. Doch obwohl wir unsere Bissanzeiger oft ungläubig kontrollierten, sie waren nicht abgeschaltet, blieben diese dennoch stumm.

Die Abende verbrachten wir mit Geschichtenerzählen. Da konnte man von wirklich wagemutigen Taten erfahren. Von Mafiapaten, Gebrauchtwaren und falschen Freundinnen ebenso, wie von Fernsehmachern, Verschwörungstheorien und anstehenden Hochzeiten. Kurz gesagt, es wurde die Antwort auf die Universalfrage "Warum?" gesucht.

Trotz aller Blödelei diskutierten wir natürlich auch diverse Taktiken der Boiliefischerei heftig. Das verschiebbare Haar war ebenso ein Thema wie Ruten, Rollen, Rod Pods, Futter und der ganze andere Kram. Ich denke, gerade diese gemeinsam verbrachte Zeit, die lustigen Gespräche und die beinharten Diskussionen haben diese Session zu etwas Besonderem gemacht. Wieder einmal zeigte sich, dass es das Wichtigste zum Karpfenangeln in keinem Angelladen zu kaufen gibt. Denn das sind gute Kameradschaften, welche wertvoller sind als ein paar schleimige Fische. Und natürlich die Freude über die herrliche Natur um uns herum.

Sehr früh am letzten Morgen, man hörte aus den Zelten nur das friedliche Schnarchen der Helden, jaulte endlich ein Delkim auf. Daraufhin setzte hektische Betriebsamkeit ein. Die beiden Brüder im Rostocker Team sprangen enthusiastisch ins Boot und begannen einen harten Kampf gegen den Schilfgürtel, in den der Karpfen geflüchtet war...

Tatsächlich haben es fünf gut ausgerüstete Karpfenangler geschafft, während eines viertägigen Ansitzes einen prächtigen Zehnpfünder zu landen. Hut ab! Der fischereiliche Erfolg blieb uns leider verwehrt. Aber das ist nicht weiter tragisch. Denn so kann es nur eine Steigerung geben, wenn die Maniacs im Jahr 2004 im Norden antreten. Eines steht nämlich fest: Fischköppe und Saupreußen gehören zusammen ans Wasser!

Henrik (September 2003)



 
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