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Reisebericht Rainbow Lake - Maniadays in FrankreichGeschichten über das Karpfenfischen offenbaren den wahren Charakter der lauschenden Zuhörer. Wenn ein Angler erzählt, dass er 4000 Kilometer mit dem Auto fährt, um unter Einsatz enormer finanzieller Mittel im Wald zu hocken, dann entgleisen den meisten Zuhörern die Gesichtszüge. Vorsicht ist geboten, wenn der Gegenüber nur die Augenbraue hebt und nervös mit dem Auge zuckt. Dann handelt es sich entweder ebenfalls um einen Karpfenangler, oder man selbst ist diesem ignoranten Zeitgenossen völlig egal. Wahre Freunde erkennt man in dieser Situation am besorgten Streicheln des Kopfes und dem sofortigen Ruf nach dem Notarzt. Wer mit dieser Methode seine Bekanntschaften überprüfen möchte, den interessiert vielleicht unser Reisebericht über den Rainbow Lake bei Bordeaux. 1000 Inseln, alles voller HolzDer Lac de Curton im Süden Frankreichs hat eine Größe von 46 Hektar und bietet herausfordernde Bedingungen. Das Gewässer wird von Pascal Jousseaume bewirtschaftet und liegt in einem Waldgebiet in der Nähe des Ortes Hostens. Über einen gut zu befahrenden Waldweg sind 21 Angelstellen rund um den Pool erreichbar. Eine Lodge mit Gemeinschaftsraum, Kühltruhen, Duschen und Toilettenanlagen steht dem Angelgast 22 Stunden am Tag zur Verfügung. Der See ist sehr gut mit Karpfen besetzt und beim Boiliefischen können auch herrliche Sterlets an den Haken gehen. Wer nebenbei mit der Spinnrute hantieren möchte, freut sich über den guten Schwarzbarschbestand. Da es sich um ein geflutetes Waldgebiet handelt, ist der gesamte See voller Bäume, Äste und Baumstümpfe. Die Unterwasserlandschaft ist stark zerklüftet und besteht aus vielen parallel liegenden Rinnen unterschiedlicher Breite und Tiefe. Das viele Holz hat einen wesentlichen Einfluss auf die Fischerei. Bei der Wahl der Futterstelle wird einem das Leben dadurch erschwert, dass es quasi tausende vielversprechende Punkte im See gibt. Darüber hinaus sind etliche Stellen durch Bäume und Inseln nicht direkt erreichbar. Viele Besucher des Rainbow Lake agieren an diesen Spots mit Umlenkern, teilweise mit mehreren Richtungswechseln. Durch das viele Holz verbietet sich der Einsatz eines Schlauchbootes. Vor Ort können jedoch Kunststoffboote in zwei Größen gemietet werden. Schwierige DrillsIn den meisten Fällen setzen sich gehakte Fische gleich nach dem Anbiss fest. Deshalb ist es besonders wichtig, sofort anzuschlagen und unter gleichmäßigem festen Druck so schnell wie möglich über den Karpfen zu kommen. Dabei soll sich der Fisch nicht vom Futterplatz fortbewegen können. Wenn er noch nicht in einen der umgestürzten Bäume geflüchtet ist, dann zieht man ihn durch übertriebenes Drillen garantiert hinein. Die Verlustrate ist an den verschiedenen Angelstellen unterschiedlich. Während unseres Aufenthaltes verlor eine Gruppe Engländer 80 Prozent aller gehakten Fische. An unserer Stelle, in der Nähe der Lodge, hielten wir den Verlust bei 20 Prozent. Sitzt man im Boot über einem ins Holz geflüchteten Karpfen, dann lässt sich durch Zotteln und Zerren nicht viel erreichen. Bestens bewährt hat sich in dieser Situation eine etwa 4 Meter lange Stange. Durch vorsichtiges Stochern am Grund kann man eine Vorstellung davon entwickeln, wie das Hindernis unter Wasser liegt und wie der flüchtende Fisch die Schnur durch den Baum gezogen haben könnte. Danach wühlt man etwas Sand hinter dem vermuteten Standort des Fisches auf. Mit etwas Glück treibt man so den Karpfen auf dem gleichen Wege wieder hinaus, auf dem er in das Hindernis hinein geschwommen ist. Das klingt zwar recht fantastisch, funktionierte aber mehrere Male glänzend. Materialintensive FischereiVerluste gibt es auch beim Material, der schwierige Gewässergrund fordert seinen Tribut. Billige Einhängebleie und Standard-Vorfächer bewährten sich bestens. Großen Aufwand an der Endmontage kann man sich schon deshalb sparen, weil das Wasser durch die faulenden Hölzer und die großen Mengen von Piniennadeln der umstehenden Bäume sehr trübe ist. Der Schlauch vor der Montage sollte etwa einen Meter lang sein. Denn bei den schwierigen Drills in den Bäumen überschlägt sich der Fisch oftmals und hat Kontakt mit der Hauptschnur. Wir raten nachdrücklich zu monofilen Schnüren am Rainbow Lake. Geflochtene Hauptschnüre sind bei den vielen Abrissen einfach unverantwortlich. Wir haben etliche Geflechtschnüre bei der Bodenerkundung mit der Stange vom Gewässergrund aufgesammelt. Sie waren teilweise 30 Meter lang und zwischen mehreren Inseln gespannt. Das Argument der höheren Abrissfestigkeit hat sich damit schon erledigt, sie verhindert in dieser Baumhölle den Schnurbruch auch nicht. Im Gegenteil, die dünnere Schnur schneidet nach unserer Meinung sogar wesentlich weiter in die morschen Äste ein und leistet dadurch dem Fischverlust noch Vorschub. Die Maniacs setzten monofile Spitzenschnüre in den Größen 42 und 43 ein und waren damit sehr erfolgreich. Ersatzspulen sollten in ausreichender Zahl vorhanden sein, denn nach jedem Drill mit Hinderniskontakt müssen etwa 20 Meter Hauptschnur entfernt werden. Eine Rolle muss mindestens 300 Meter Schnurkapazität aufweisen. Wir haben uns vorher nicht vorstellen können, wie vehement die Fische dort die Leine von der Rolle ziehen. Die Schuppenkarpfen flüchten nach dem Anbiss mit einem Tempo, das wir aus Deutschland nicht kannten. So hat es einer dieser Rowdys geschafft, innerhalb weniger Sekunden 40 Meter Schnur abzuziehen und den Knoten auf der Achse zu sprengen. Kein Witz, die Spule war leer! Mittels unserer langen Multifunktionsstange konnte die Leine am nächsten Tag komplett geborgen werden. Der Haken steckte in einem Ast, das Blei war abgefallen. Der flüchtende Fisch hatte 5 Richtungswechsel auf einer Strecke von 60 Metern vorgenommen, bis er die Montage abschütteln konnte. Unsere alten Aero-Rollen haben einfach zu wenig Kapazität für so dicke Schnüre und so schnelle Karpfen. Die maximale Angelentfernung am Rainbow Lake beträgt ohne Umlenkungen ungefähr 250 Meter, und im Schnitt ist mit 120 Metern Entfernung zu rechnen. FutterbedarfIn unserer ersten Woche lief die Fischerei bei bestem Sommerwetter sehr gut. Nach einem Kälteeinbruch in der zweiten Hälfte unseres Aufenthaltes fingen alle Angler erheblich weniger. Wir haben mit Leuten gesprochen, die schon mehrere Wochen ohne Fisch an diesem Wasser gesessen haben. Andere Glückspilze zogen Bilanz bei 50 Anbissen in sieben Tagen. Am Rainbow Lake springen einem die Karpfen also auch nicht ins Boot - schade eigentlich. Eine Aussage über die benötigte Futtermenge lässt sich bei so unregelmäßigem Beißverhalten natürlich schwer treffen. Mit 500 Gramm pro Rute und Tag liegt man aber sicher richtig. Hartmais kann im Notfall bei Pascal nachbestellt werden. Wir fütterten 6 unterschiedliche Boiliesorten und gaben Dosenmais und Pellets in kleinen Mengen dazu. Eine Vorliebe der Fische für eine Sorte oder Geschmacksrichtung konnten wir nicht feststellen. Die Plätze produzierten auch ohne Partikelfutter. Unerwünschte Beifänge sind sehr selten. In der ganzen Zeit verirrten sich nur eine schmale Brasse und eine mittlere Schleie an unsere Futterplätze. Tisch und BettAn Zelten und Camps kann der Besucher des Lac de Curton alles aufbauen, wonach ihm der Sinn steht. Das Platzangebot an den verschiedenen Angelstellen ist unterschiedlich und reicht von einem bis hin zu vier Stellplätzen. Der Untergrund ist problematisch. An allen pflanzenlosen Stellen am Ufer liegt ein sehr feiner, grauschwarzer Staub auf dem Boden. Beim kleinsten Windhauch wandert dieser Staub durch das Lager und legt sich auf alle Ausrüstungsgegenstände. Er durchdringt mühelos jede Zelttür und findet sich nach ein paar Tagen sogar auf der Zahnbürste wieder. Der See ist komplett mit einem Zaun umgeben und nachts wird die Toreinfahrt verschlossen. Somit können auch übervorsichtige Gemüter beruhigt schlafen. Störend ist nur, dass der Fahrweg ziemlich dicht an den Camps entlangführt. Spätheimkehrende Autofahrer leuchten mit den Fahrzeugscheinwerfern auf den See und verursachen natürlich Lärm. Wer clever ist, der schaltet auf dem Gelände nur das Standlicht ein und belästigt damit die Kollegen weniger. Und noch eine lärmende Störquelle gibt es: Ganz in der Nähe von Bordeaux befindet sich ein Übungsgelände für Kampfflugzeuge. An bestimmten Tagen donnern diese Steuerzahler-Alpträume im Tiefflug über den Pool. Manche finden das spannend, viele finden das laut. Insgesamt ist es am Lac de Curton aber sehr ruhig und erholsam, da die Flieger nur an manchen Tagen und niemals nachts nerven. Sonstige LogistikIn der Lodge kann man Akkumulatoren und Großbatterien für den Elektromotor aufladen. Die Preise dafür sind allerdings eine absolute Frechheit. Wir haben einige Male kleine Akkumulatoren für unsere Fotoapparate und die Videokamera geladen. Dafür wurden uns pro Woche 25 Euro berechnet - Skandal! Ebenso üppig fallen die Preise für Getränkedosen aus Pascals Barkühlschrank aus. Starke 1,50 Euro für ein kleines Bier ermunterten uns zu einem Ausflug in die nähere Umgebung. Zum Einkaufen fährt man in das wenige Kilometer entfernte Dorf Hostens. Ein kleiner Supermarkt bietet genügend Nahrung und Getränke. Fleisch und Wurst sollte man beim örtlichen Schlachter erwerben. Dort kann man ruhig auf Vorrat kaufen, denn die Lodge bietet ausreichend Kühlkapazitäten zum Einfrieren. Diese logistische Freiheit inspirierte Chefkoch Bernd zur Zubereitung eines halben Schweines. Ein umfangreicheres Warenangebot ist in der nächstgrößeren Ortschaft, Bellin Bilet, zu finden. Dort ist auch das Angebot an regionalen Weinen besser als in Hostens. Müllsäcke müssen durch den Besucher selbst mitgebracht werden. Gut verschlossen werden sie dann einfach am Fahrweg abgestellt. Auf seiner täglichen Tour sammelt Pascal die Säcke ein. Trinkwasser wird von der Lodge geholt. Wer auf einem weiter entfernten Platz sitzt, ist natürlich gut beraten mehrere Wasserbehälter mitzunehmen. RegelnDer Betreiber verpflichtet den Gast zu einer Hand voll Spielregeln, die aber keine großen Hürden darstellen. Wenn sich Pascal vom korrekten Verhalten der Urlauber überzeugt hat, dann wird man ihn nur noch selten zu Gesicht bekommen. Meistens erkundigt er sich einmal pro Tag, ob alle zufrieden sind und wie die Fischerei läuft. Lästiges Herumschnüffeln konnten wir nicht beklagen und hoffen, dass sich dieser Zustand am Rainbow Lake auch in Zukunft nicht ändert. Jeder Besucher kann durch sein Wohlverhalten dazu beitragen und wird schließlich mit einer stressfreien Zeit dafür belohnt. Vorschriften (Stand September 2002):
Tatsächlich werden einige dieser Vorschriften locker gehandhabt. Die unbequeme Schwimmweste zieht niemand an, bezahlt wird der Aufenthalt bei Abreise und bei großen Fischen drückt der Betreiber schon mal ein Auge zu und man kann sie bis zum Tagesanbruch hältern. Die Angaben auf den Prospekten zur Mitnahme von Hunden sind widersprüchlich. Eigentlich sind Hunde auf dem Gelände verboten. Wir haben aber mehrere Vierbeiner am Rainbow Lake gesehen und gehen deshalb davon aus, dass nach Absprache mit dem Betreiber auch Fiffi keine Hürde darstellt. Wer sich vernünftig benimmt, der wird keinerlei Schwierigkeiten erleben. Noch ein paar TippsAbschließend möchten wir noch auf ein paar wirklich wichtige Dinge hinweisen. Die Chancen auf Erfolg steigen unserer Meinung nach erheblich, wenn man zu zweit den Fisch drillt. Bedingt durch die vielen Hindernisse muss mit dem Boot präzise navigiert werden. Gleichzeitig muss der Drill konzentriert und fehlerfrei durchgeführt werden - da ist Gruppenarbeit einfach effektiver. Unter Verwendung eines Elektromotors ist auch eine Solofahrt möglich, aber wir raten wegen der vielen Unterwasserhindernisse davon ab. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die schon weiter oben angesprochene Stange. Ohne dieses Hilfmittel würden wir an diesem Pool nicht mehr fischen gehen. Da es sich dabei nicht um einen Standardgegenstand handelt, sollte man sich rechtzeitig über diese Anschaffung oder besser Anfertigung Gedanken machen. Eine Buchung erfolgt am besten per Fax. Bevor jedoch keine Anzahlung beim Betreiber eingegangen ist, hat man die gebuchte Stelle nicht sicher reserviert. Wir hatten anfangs erhebliche Schwierigkeiten mit der Bestellung unserer Plätze. Wir empfehlen, nach dem Senden des Faxes telefonisch Kontakt herzustellen und das weitere Vorgehen mündlich abzuklären. Pascal spricht gebrochen englisch und natürlich französisch. Die Anzahlung wird per Scheck mit der Post verschickt. Wir waren erst etwas skeptisch, aber es lief dann alles ganz sauber ab. Nach Eingang des Schecks bekommt man eine Buchungsbestätigung per Fax. FazitInsgesamt können wir den Lac de Curton weiterempfehlen. Wer mit dem Gedanken, dort ein paar Wochen zu verbringen, spielt, sollte sich allerdings über die enormen Kosten für diesen Trip im Klaren sein. Zu den teuren Wochenkarten kommen die Mietgebühren für Boote, Stromverbrauch und vor allem die Finanzierung der weiten Anfahrt. Weitere Informationen kann man auf der Rainbow Lake-Website finden. Der Fischbestand ist sehr gut und die Bedingungen vor Ort angenehm. Henrik und Bernd (November 2002)
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Karpfen im Netz? Carpermania - Karpfenangeln für Besessene! Seit 2001 habt ihr die Verrückten am Hals. |
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