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Tackle - Ruten, Rollen und Schnüre


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Das Thema Ruten ist deshalb so schwierig, weil die Einsatzbedingungen unterschiedlich sind. Grob müssen wir schon Leute mit Boot und Leute, die werfen wollen oder müssen, unterscheiden. Dazu kommt, dass auch persönliche Vorlieben eine Rolle spielen und damit absolute Aussagen, egal aus welchem Mund, falsch sein müssen. Richtig ist allein nur, dass die Rute zum Drillen des Fisches taugen muss. Diese banale Aussage legt ein paar Mindestbedingungen für eine Rute fest:

Erstens darf eine Rute nicht brechen. Sie muss die Schnur sauber und ohne Beeinträchtigungen führen. Sie muss gut zu handhaben sein, quasi blind in völliger Dunkelheit. Und letztens müssen ihre Eigenschaften einem Fischverlust so weit als möglich vorbeugen.

Materialien, wie sie heute im Rutenbau Anwendung finden, sind teilweise sehr bruchempfindlich. Schläge auf harten Untergrund vertragen sie nicht. Das gilt ebenso für die Einlagen der Beringung. Da wir uns am Wasser in einer eher weichen Umgebung befinden, ist das kein Problem, solange die Ruten beim Transport ausreichend gesichert sind.

Die saubere Schnurführung ist schon mit Kompromissen behaftet. Um die Schnurführung der Aktion genau anzupassen, ist eine Inlineführung nötig. Diese erhöht den Reibungswiderstand der Schnur beim Auswurf enorm und findet deshalb nur selten Anwendung. Auch die Positionierung der Bissanzeiger ist schwierig.

Damit bleiben die Qualität und die Anzahl der Ringe für unsere Betrachtung übrig. Derzeitiger Standard sind große Ringe mit SIC-Einlagen. Bei geflochtenen Schnüren dürfen nur SIC-Einlagen benutzt werden. Die Anzahl liegt bei 5 bis 7. Die Ausführung der Ringstege beeinträchtigt die Aktion. Mehrstegringe verschlechtern die Aktion und machen die Rute schwerer. Einstegringe sind mechanisch empfindlich.

Die Konstruktion von Rollenhalter, Ringstegen und Griff sollte der Schnur keinen Ansatzpunkt bieten, sich an diesen zu verfangen. Nachts im Boot wäre das ein nicht zu handhabendes Risiko und kann Fischverlust bedeuten. Die Verschraubung des Rollenhalters sollte beim Umgang mit der Rute nicht die Neigung besitzen sich zu lockern. Das ist nicht selbstverständlich. Insgesamt sollte die Rute fein und glatt verarbeitet sein und ihre Komponenten sollten keine Kanten oder Grate aufweisen.

Ruten mit großem Wurfpotential sind relativ steif. Damit sind sie zugleich zum Drillen im Nahbereich ungeeignet. Wer über ein Boot verfügt, kann weichere Ruten anwenden. Wird der Drill von nur einer Person im Boot ausgeführt, dann gilt dies wiederum nicht, da eine stärkere Aktion nötig ist, um das Boot gegen den Fisch zu pumpen. Eine Karpfenrute muss nicht lang sein. Eine lange Rute ist ein großer Hebel für den Fisch und das wollen wir eigentlich gar nicht. Die üblichen Rutenlängen sind nur dem Wurfverhalten geschuldet.

Aus all diesen Punkten kann man erkennen, dass eine Rute immer einen Kompromiss darstellen muss. Es bleibt also die Aufgabe, aus dem großen Angebot den für den Einzelnen richtigen Kompromiss herauszusuchen. Bei Markenruten kann man sagen, dass heute der überwiegende Teil zum Karpfenfischen absolut tauglich ist. Richtig schlechte Ruten gibt es nicht. Und auch die Discountpeitschen bieten manches gute Modell. Man muss eben im Einzelfall die Qualität der Lackierungen und der Ringbindungen betrachten. Vergleicht man mehrere Modelle, lichtet sich das Dunkel.

Rollen

Eine gute Karpfenrolle zu finden, ist im Vergleich zum Rutenthema einfach. Die Eckpunkte sind:

  • Große Schnurkapazität für sehr weite Distanzen,
  • Hohe Übersetzung,
  • Feinnervige Bremse,
  • Solide, wartungsfreie Verarbeitung.

Boote geben uns die Freiheit, jeden Punkt eines Gewässers zu befischen. Wir können über die Wurfdistanz der Rute um ein Vielfaches hinausgehen. Deshalb sind große Spulen wichtig. Sie unterstützen auch den Wurf, da die Schnur leichter abgleitet. Die Spule sollte aus Metall sein und eine sehr glatte Spulenkante haben.

Die meisten Gewässer haben am Boden Kraut oder andere Hindernisse. Je schneller eine Montage vom Boden angehoben werden kann, um so eher geht man einem Hindernis aus dem Weg. Auch nach einem Fallbiss muss schnell Schnur aufgenommen werden. Aus diesem Grunde ist eine hohe Übersetzung bei einer Rolle wichtig.

Bremsen müssen weich und ruckfrei anlaufen. Die Anlaufkraft darf nicht höher sein als die direkt danach anstehende Bremskraft. Je härter die Rute, je dehnungsärmer die Schnur, und je dichter der Fisch, desto wichtiger das Bremsverhalten der Rolle.

Rollen werden permanent nass, können auch mal Frost abbekommen und sind langer Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Eine gute Verarbeitung ist unerlässlich. Das Hauptaugenmerk sollte man auf die Wasserdichtigkeit legen. Eine gute Rolle läuft einige Jahre problemlos, ohne dass nachgefettet werden muss.

Sehr gute Rollen baut Shimano. Seit auch große Modelle mit Freilauf erhältlich sind, ist nach unserer Meinung die Verwendung von Brandungsrollen ohne Freilauf nicht mehr sinnvoll.

Schnur

Carpermania fischt monofile Schnüre. Wir meinen, dass Schnur ein Verschleißartikel ist, der jedes Jahr getauscht wird. Um wirklich jede Schnur zu testen, bräuchte man wahrscheinlich Jahre. Bei Rollen mit kleinen Spulendurchmessern sind harte Schnüre ungeeignet, da sich die Drallneigung negativ bemerkbar macht. Mit diesen Schnüren haben wir Erfahrung:

  • Berkley Biggame: Eine preiswerte Schnur, die allen Anforderungen durchschnittlich gerecht wird. Wer wenig Geld investieren will, oder oft seine Schnur wechselt, ist mit Berkley bestens beraten.
  • Shimano Technium: Eine drallarme Schnur, die uns oft unter wenig Belastung brach. Außerdem hat diese Schnur nur wenig Dehnung. Wir raten von der Verwendung ab.
  • Sufix Supreme: Eine weiche Schnur, die sich gut fischt und sich ordentlich auf der Rolle verhält - sie hat eine akzeptable Drallneigung. Die Abriebfestigkeit ist eher mittelmäßig.
  • Fox Softsteel: Unser derzeitiger Liebling Softsteel wird in der Saison 2002 wieder seinen abgestammten Platz einnehmen. Nach den Versuchen mit Technium und Sufix kehren wir reumütig zurück. Die Schnur hat als hervorstechendes Merkmal eine enorme Dehnung aufzuweisen. Sie ist fast wie ein Gummiband und beugt damit einem Ausschlitzen sehr wirksam vor. Grosse Dehnung macht sie eigentlich für Weitdistanzen weniger geeignet, aber das nehmen wir gern in Kauf. Wir haben diese Schnur testweise enormen Belastungen ausgesetzt und hervorragende Ergebnisse erzielt. Ein besseres Monofilament ist uns nicht bekannt, der Preis ist angemessen.

Thomas und Henrik (Januar 2002)


 
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